Gib dem Regenwasser Raum: So schaffst du gute Bedingungen für die Versickerung im Garten

Gib dem Regenwasser Raum: So schaffst du gute Bedingungen für die Versickerung im Garten

Wenn es regnet, leiten viele Hausbesitzer das Wasser so schnell wie möglich in die Kanalisation. Doch angesichts zunehmender Starkregenereignisse und längerer Trockenphasen lohnt es sich, umzudenken: Statt das Regenwasser loszuwerden, kannst du es im Garten gezielt versickern lassen. Das entlastet die Kanalisation, schützt das Grundwasser und macht deinen Garten widerstandsfähiger gegen Wetterextreme. Hier erfährst du, wie du gute Bedingungen für die Versickerung schaffst – und dabei eine grünere, lebendigere Gartenlandschaft gestaltest.
Warum Versickerung so wichtig ist
Wenn Regenwasser im Boden versickern kann, wird es auf natürliche Weise gefiltert, bevor es ins Grundwasser gelangt. Gleichzeitig wird das öffentliche Kanalsystem entlastet, was Überschwemmungen vorbeugt. In vielen Städten und Gemeinden in Deutschland sind große Flächen versiegelt – durch Pflaster, Asphalt oder Beton. Das verhindert, dass Wasser in den Boden eindringen kann. Die Folge: Das Regenwasser fließt oberflächlich ab, statt als Ressource genutzt zu werden.
Mit gezielten Maßnahmen zur Versickerung kannst du aktiv dazu beitragen, die Wasserbilanz deines Grundstücks zu verbessern – und gleichzeitig die Pflanzen in deinem Garten mit zusätzlicher Feuchtigkeit versorgen.
Boden und Gelände kennen
Bevor du mit der Planung beginnst, solltest du wissen, wie dein Boden beschaffen ist. Sandige Böden lassen Wasser schnell versickern, während lehmige Böden Wasser länger speichern, aber bei Starkregen oft überfordert sind.
Ein einfacher Test hilft: Grabe ein etwa 30 cm tiefes Loch, fülle es mit Wasser und beobachte, wie schnell es verschwindet. Wenn das Wasser nach 24 Stunden noch steht, ist der Boden schwer durchlässig. In diesem Fall sind Lösungen wie Mulden, Rigolen oder bepflanzte Versickerungsflächen sinnvoll, die das Wasser zwischenspeichern und langsam abgeben.
Auch das Gelände spielt eine Rolle. Wasser fließt immer in tiefere Bereiche – nutze also natürliche Gefälle, um das Regenwasser gezielt dorthin zu leiten, wo es versickern soll.
Regenmulden – natürliche Wasserspeicher im Garten
Eine Regenmulde ist eine flache Vertiefung im Garten, in die Regenwasser von Dachflächen oder Wegen geleitet wird. Sie wird mit durchlässigem Material wie Sand, Kies und humoser Erde gefüllt und mit Pflanzen bestückt, die sowohl Nässe als auch Trockenheit vertragen.
Geeignete Arten sind zum Beispiel Sumpfiris, Seggen, Blutweiderich oder Wiesenknopf. Regenmulden können dezent gestaltet oder als attraktives Gestaltungselement in die Gartenarchitektur integriert werden. Wichtig ist, sie mindestens fünf Meter vom Haus entfernt anzulegen, damit kein Wasser in den Keller oder das Fundament eindringt.
Rigolen und wasserdurchlässige Beläge nutzen
Wenn du viele befestigte Flächen hast, lohnt es sich, über wasserdurchlässige Alternativen nachzudenken. Pflaster mit breiten Fugen, Rasengittersteine, Kies oder Splittflächen lassen Regenwasser besser versickern als dichte Betonplatten.
Eine weitere Möglichkeit ist die Rigole – ein unterirdischer Speicher aus Kies oder Kunststoffmodulen, in dem Regenwasser gesammelt und langsam in den Boden abgegeben wird. Rigolen eignen sich besonders für Wasser, das von Dachrinnen oder Einfahrten abfließt, und sind in vielen Bundesländern eine anerkannte Maßnahme zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung.
Pflanzen als natürliche Wassermanager
Pflanzen sind unverzichtbar, wenn es um die natürliche Wasserregulierung im Garten geht. Bäume und Sträucher nehmen über ihre Wurzeln große Mengen Wasser auf, während ihre Blätter den Regen abfangen und so die Versickerung verlangsamen.
Setze auf heimische Arten, die an das regionale Klima angepasst sind – etwa Hainbuche, Feldahorn, Weide oder Hasel. In Beeten eignen sich Stauden wie Taglilien, Purpur-Sonnenhut oder Mädesüß, die sowohl feuchte als auch trockene Phasen gut überstehen. Ein dichter Bewuchs schützt den Boden vor Austrocknung und Erosion und bietet Lebensraum für Insekten und Vögel.
Ganzheitlich denken – und den Garten lebendig gestalten
Regenwasserbewirtschaftung ist mehr als Technik – sie ist Teil eines lebendigen Gartendesigns. Du kannst Regenmulden mit kleinen Bachläufen, Steinen oder einem Teich kombinieren, der überschüssiges Wasser aufnimmt. So entsteht ein abwechslungsreiches, naturnahes Gartenbild, das auch die Artenvielfalt fördert.
Lass ruhig auch Bereiche etwas wilder wachsen: Eine unebene Rasenfläche, ein Stück Wiese oder ein Staudenstreifen können als natürliche Rückhalteflächen dienen, in denen Wasser länger verweilt.
Eine Investition in die Zukunft
Wer Regenwasser im eigenen Garten versickern lässt, investiert in die Zukunft – für sich selbst und für die Umwelt. Du machst dein Grundstück widerstandsfähiger gegen Starkregen, entlastest die Kanalisation und trägst zum Schutz des Grundwassers bei.
Mit etwas Planung und Kreativität entsteht so ein Garten, der nicht nur schön aussieht, sondern auch im Einklang mit der Natur funktioniert – ein Ort, an dem Regen willkommen ist.











